Bergwerksgelände Alaunwerk Mühlwand
 Die letzten Halden


Probe gebrannten Schiefers vom Alaunwerk Mühlwand
 
Probe gebrannten Schiefers vom Alaunwerk Mühlwand
 
Probe gebrannten Schiefers vom Alaunwerk Mühlwand
etwa Originalgröße

Während sich der Rundweg talwärts absenkt, führt er seitlich an runden, bewachsenen Hügeln vorbei. Dabei handelt es sich um die letzten noch vorhandenen Halden ausgebrannten und ausgelaugten Alaunschiefers. Es gleicht völlig dem Material, aus welchem sich die Röstbühne (Punkt 6) heute zusammensetzt. Diese bestand zwar ursprünglich aus frisch geröstetem Schiefer, doch geschah das Auslaugen nachträglich durch Niederschläge im Laufe der fast zwei Jahrhunderte. Somit sind die Materialien hier wie dort heute identisch.

Direkt am Weg ist das Material aufgeschlossen und kann näher betrachtet werden. Zum größten Teil ist es weißlich grau und so weich, dass es mit dem Fingernagel zu ritzen ist. Es handelt sich dabei um Schieferstücke, welche nach dem Verbrennen des schwarzen Kohlenstoffs darin übrig geblieben sind. Völlig ausgebrannte Teile sind nach dem Abtrocknen im Vergleich zu rohem Schiefer recht leicht, womit man auf den einstmals vorhandenen Kohlenstoffgehalt schließen kann (bis 50%).

Das Brennen in der Röstbühne muss bei großem Sauerstoffüberschuss erfolgt sein, ansonsten hätte dieser nicht so weit in das Gestein eindringen können. Dort verband er sich mit dem schwarzen Kohlenstoff zu gasförmigen Kohlendioxid und trat als Abgas in die Umgebung aus. In größere Schieferteile oder aneinanderliegende Flächen konnte zu wenig Sauerstoff vordringen, so blieb hier die ursprüngliche schwarze Färbung erhalten. Manchmal entstanden damit interessante und z.T. bizarre Zeichnungen im Stein.

Von Interesse sind auch Steine mit einem rotem Überzug, sie sehen aus wie eingefärbt. Die rote Färbung geht auf Eisen(III)oxid zurück, welches sich als Mineral Hämatit oder Blutstein nennt. Hier jedoch ist es ein Endprodukt des Röstens und zwar des Pyrits (bzw. Markasits), welcher im Schiefer fein verteilt vorkommt und die wichtigste Voraussetzung für die Alaunentstehung bildete. Es besteht aus Eisendisulfid und beim Rösten (Brennen) bildete sich daraus mit Sauerstoff das rote Eisen(III)oxid sowie gasförmiges Schwefeldioxid. Zugleich stellte der rote Überzug auch einen Katalysator dar, an dem sich das Schwefeldioxid zur letztendlich erforderlichen Schwefelsäure umwandeln konnte, die zweite wichtige Bedingung zur Alaungewinnung (Chemismus siehe Unterseite bei Alaun).

Den Alaunwerkern waren früher solche Zusammenhänge noch unbekannt, sie lenkten das Brennen nur auf Grund von Erfahrungen. Heute gewinnt man Schwefelsäure industriell wieder nach demselben Grundprinzip wie früher in den Röstbühnen das Alaun. Man röstet Pyrit und oxidiert es an einem Katalysator weiter - das sogenannte Kontaktverfahren.

Die alten Halden stehen - wie das gesamte Ensemble des ehemaliges Alaunwerkes - unter Denkmalschutz.


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