Bergwerksgelände Alaunwerl Mühlwand
 Die Pinge des Hauptschachtes

Ungefähr in der Mitte des Geländes findet sich die sogenannte Pinge des Hauptschachtes. Pinge ist der bergbauliche Begriff für eine kesselförmige Vertiefung in der Erdoberfläche infolge Verbruchs alter Grubenbaue; auch als Binge oder Tagebruch bezeichnet (wo die Grube "zu Tage bricht"). Pingen sind oftmals letzte, noch nach Jahrhunderten sichtbare Zeichen vergangenen Bergbaus. Sie können von ehemaligen Schächten oder anderen Hohlräumen wie Stollen oder Weitungen stammen. Ein vertikal verlaufender Schacht tritt mit dem Lichtloch zu Tage, während ein (horizontaler) Stollen ein sogenanntes Mundloch aufweist.

"Wie ein Schacht von Tage nieder perpendiculariter, also wird ein Stolln unten am Gebirge horizontaliter in Gebirge wie ein Gang getrieben, dadurch man Wetter einbringen, Wasser benehmen und vorliegende Gänge überfahren kann." Abraham von Schönberg, Leipzig 1698

Im vorhandenen Kartenmaterial zu Mühlwand sind nur Schächte und für die Wasserführung wesentliche Stollen abgebildet, reine Abbaustrecken und Weitungen dagegen nicht. Das war damals durchaus übliche Praxis. Der Hauptschacht, hier mit Lichtloch bezeichnet (auch Schacht A), stellte den Mittelpunkt des Grubenbaues dar, vom ihm aus erstreckten sich die Stollen leicht ansteigend zu den Abbauorten und der sogenannte neue Stollen führte von hier aus das Grubenwasser Richtung Göltzsch ab. Noch heute fließt Quellwasser aus der Wasserschlucht in die Pinge hinein. Durch den Schacht A wurde auch das "Erz" zu Tage gefördert, "...weil solcher der Rösthalde am nächsten liegt", gemeint ist der Brennplatz. Vom Stolleneingang rechts oben auf der Karte, dem heutigen Bergwerkseingang, hätte es schräg einen steilen Hang hinaufbefördert werden müssen. Die gestrichelte Linie vom Lichtloch abwärts stellt den neuen Entwässerungsstollen dar. Streng genommen ist die Pinge des Hauptschachtes keine echte, sondern geht auf die Nachgrabungen in den fünfziger Jahren zurück. Mit aus heutiger Sicht ziemlich abenteuerlichen Mitteln arbeitete man sich in die Tiefe (Teufe) von etwa 16 Metern hinab.

Alte Karte des Alaunwerk Mühlwand
Abteufung des Hauptschachtes am Alaunwerk Mühlwand

Das früher übliche Längenmaß für Stollen und Schächte war das Lachter, dabei entspracht ein Lachter in Sachsen 1,918 bis 2,092 Meter. Dagegen sind alle obertägigen Anlagen, wie z.B. die Siedeanlage, in Ellen gemessen und auf den Karten angegeben. Auch solche Angaben sind nicht ganz eindeutig, eine Dresdener Elle betrug zu Anfang des 19. Jahrhunderts 56,65 m, eine Leipziger 56,50 cm und die Elle des Königreichs Bayern dagegen 83,30 cm.

In der Pinge sollte keinesfalls herumgeklettert werden, immer wieder senken sich in ihr Teile plötzlich ab und es werden Löcher sichtbar. Zum Betrachten benutzen sie bitte die daneben liegende Plattform (Punkt 5). Generell sollten die ausgebauten Wege aus Sicherheitsgründen nicht verlassen werden. Weitere Pingen finden sich im Osten des Werkes links und rechts am Rundweg (Punkt 14) sowie kurz nach dem Eingangsbereich des Bergwerksgeländes (eingezäunt).


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