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Im mittleren Göltzschtal
Forsthaus Mylau und die Griebenherde


Etwa 1000 m ab Alaunwerk flussaufwärts befindet sich rechts der Ortsteil Jägerhaus. Hier stehen zwei sogenannte Griebenherde, Zeugnisse einer früheren waldgewerblichen Tätigkeit - der Pechgewinnung. Es handelt sich um zwei Granitquader mit etwa 90 cm Kantenlänge, in denen eine schüsselförmige Vertiefung mit einer Ablauföffnung am Grund eingebracht ist.

Pechhütte
Alte Pechhütte - um 1930 abgerissen
Foto: Museum Burg Mylau
In früherer Zeit stand hier eine Pechhütte zur Aufarbeitung von Baumharz - eine Pechsiederei. Die Fichten der Umgebung wurden angeritzt, damit Baumharz austrat. Nach dem es verhärtete, schälte man es ab und schmolz es in der Pechhütte in Kesseln auf. So konnte man das klare, saubere Harz abschöpfen, in Formen gießen und als Siedepech vertreiben. Was übrig blieb - ein Gemisch aus Rinde, Schmutz und Restharz - bezeichnete man als Griefen oder Grieben. In den außerhalb der Hütte stehenden Griebenherden wurden auch sie noch weiterverarbeitet.
Griebenherd
Die Grieben schichtete man zusammen mit harzreichem Kiefernholz in den Herdsteinen kegelförmig auf und entzündete und bedeckte alles außen mit Erde. Die Anordnung entsprach also den größeren Kohlenmeilern und auch hier fand eine kontrollierte Verschwelung des Inhaltes statt, jedoch zu dem Zweck, die Harzbestandteile auszutreiben und zu verflüssigen. Diese rußgeschwärzte, teerähnliche Flüssigkeit wurde mit einem unterhalb der Abflussöffnung befindlichen Gefäß aufgefangen und als Schwarzpech z.B. als Wagenschmiere, Dichtmaterial oder Klebstoff verwendet.

Genau wie ihre großen Brüder, die Holzkohlenmeiler, verursachten die Griebenherde beim Schwelen dicke, beißende Rauchschwaden - daher nennt man Griebenherde auch gelegentlich "Stink-" oder "Stänkersteine". Wie die qualmenden Röstbühnen des Alaunwerkes, werden auch sie damit ihren Standort weithin im Tal der Göltzsch kenntlich gemacht haben.

Rosegger's Beschreibung der 'Pecher' um 1820


Mit der Pechsiederei eng verknüpft und untergegangen ist auch ein interessanter volkstümlicher Brauch. Die Pechsieder fertigten aus dünnen Holzspleißen, Bindfäden, und einem gedrechselten Mundstück ein Musikinstrument, welches sie gelegentlich bei ihrer Arbeit bliesen - oder zu blasen versuchten, wie ein Zeitzeuge beschreibt. Es war etwa 1 bis 1,5 m lang, quadratischen Querschnittes, mit goldgelbem Harzpech überzogen und erinnerte in Aussehen und Klang an ein Alphorn. Pechhorn
So wie die schwarzgesichtigen Pechsieder der abergläubigen Bevölkerung etwas unheimlich waren, wurde auch den Pechhörnern mitunter Zauberkräfte zugesprochen und sie fanden Einzug in die Sagenwelt. Mit dem Sterben der gewerblichen Pechsiederei um 1850 verstummte auch der weittragende, durchdringende Klang der Pechhörner für immer im Tal der Göltzsch und den dunklen Wäldern des Vogtlandes.


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