Schon vor 1800 war man in der Lage, Schwefelsäure aus Schwefel herzustellen, ohne jedoch mit der Gewinnung aus Alaun in Konkurrenz treten zu können. Das änderte sich zwischen 1820 und 1830 dramatisch, als das sogenannte Bleikammerverfahren entscheidend verbessert wurde. Beinahe über Nacht brach die Nachfrage nach Alaun zusammen. Schlimmer noch, war zuvor Alaun die Mutter der Schwefelsäure, so drehte sich diese Beziehung völlig um - man stellte billiges und dabei reinstes Alaun künstlich aus letzterer her.
Für Mühlwand bedeutete dies das Aus. 1826 wurde der reguläre Betrieb eingestellt und das Werk bis 1827 aufgelöst, die Anlagen abgebaut und verwertet. Sämtliche Stollen und Schächte verschloß man sorgfältig und sie fielen schon bald der Vergessenheit anheim. Übrig blieb das entkernte Siedehaus, in dem sich schon seit langem auch ein Ausschank befand. Es wurde für 850 Taler an den Reichenbacher Fleischermeister Rahmig verkauft.
![]() Das Bild, ein Stich von 1837, zeigt rechts vorn die ehemalige Hütte aus Richtung Reichenbach. Man beachte die hoch aufragenden Halden am linken Bildrand vorn - an dieser Stelle fällt heute das Gelände ab. In der Bildmitte ist die Eger'sche Brücke zu sehen und dahinter die Petzoldsche Spinnerei, deren Gründung auf das nahe Alaunwerk zurück geht. Die Arbeitszeit betrug darin im Sommer bis zu 16 Stunden täglich, von Montag bis Samstag ohne Urlaub sowohl für Erwachse als auch für Kinder. 1830 richtete der Besitzer eine Fabrikschule ein, welche die Kinder innerhalb ihrer Arbeitszeit für zwei bis drei Stunden besuchen konnten. Erst 1865 wurde in Sachsen Kinderarbeit wenigstens etwas geregelt, das Mindestalter auf zehn Jahre und die tägliche Arbeitszeit auf höchstens 11 Stunden festgelegt! |
Bereits ab 1703 schenkte man in der alten Hütte ohne Konzession Mylauer Bier an Arbeiter und Vorrüberkommende aus. Missgünstige Reichenbacher Brauer zeigten dies 1714 an und der Werksbesitzer musste 20 Taler Strafe zahlen, erhielt aber dennoch die offizielle Erlaubnis, weiterhin Bier umliegender Orte zu verkaufen. Die günstige Lage an der Brücke der alten Handelsstraße führte dazu, dass sich das Werksgebäude auch zu einer vielbesuchten Raststätte für Durchreisende entwickelte.
Rahmig betrieb nun nach 1827 die ehemalige neue Hütte als Gasthof "Zu den drei Schwänen" weiter - die Bezeichnung soll sich angeblich auf seine drei Töchter beziehen - weiter. Die Einkehrstätte entwickelte sich prächtig, noch am 14.04.1852 wurde sie samt Bergwerksgelände für 2400 Taler weiterverkauft und auf den Tag genau 11 Monate später geschah das Unglück - Der Gasthof brannte bis auf die Grundmauern nieder. Damit verschwand auch das zweite Hüttengebäude aus Mühlwand.