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Im mittleren Göltzschtal / Vogtland
Die Pegelanlage der Göltzsch bei Mylau

Etwa 300 m vom Bad Mylau entfernt befindet sich direkt am Wanderweg nach Mühlwand eine automatische Pegelmessstation des staatlichen Umweltfachamtes Plauen. Eine Ruhebank lädt hier zum verweilen ein - Gelegenheit, über die Göltzsch nachzudenken. Ihr Name geht übrigens nicht, wie vielfach angenommen, auf das früher aus ihr gewonnene Gold zurück sondern auf das altsorbische Wort Goliza und bedeutet Heidewaldbach.

Pegelanlage der Göltzsch in Mylau
Auf etwa 50 m Länge ist der Fluss trapezförmig ausgebaut. Im Pegelhaus wird die Höhe des Wasserstandes automatisch gemessen und per Telefonleitung übermittelt. Da Breite und Fließgeschwindigkeit des Gewässers an dieser Stelle bekannt sind, lässt sich aus diesen drei Daten die aktuelle Abflussmenge in m³/sek errechnen. Den Wasserstand kann man auch an einer Messleiste am Ufer ablesen. Die mittlere Abflussmenge der Göltzsch entspricht dort einer Wasserhöhe von ungefähr 25 cm.

Einzugsgebiet 155 km²
Länge des Einzugs 28,3 km
mittlere Abflussmenge 1.92 m³/sek
mittlere Hochwassermenge 26,2 m³/sek
höchste Hochwassermenge 129 m³/sek
mittlere Niedrigwassermenge 0,27 m³/sek
kleinste Niedrigwassermenge 0,00 m³/sek
Wasser-Güteklasse (GK) II-III

Die Göltzsch ist bezüglich ihrer Wasserführung ein sehr "launischer" Fluss. Die Messungen sollen rechtzeitig auf stark abweichende Abflussgrößen aufmerksam machen, um Maßnahmen einleiten zu können. Die nebenstehende Tabelle zeigt die ermittelten Werte des Pegels Mylau auf.
Noch 1989 galt die Göltzsch mit der Güteklasse III-IV als sehr stark verschmutzt, obwohl schon zu DDR-Zeiten die Stadt Rodewisch eine zentrale Kläranlage betrieb. Heute hat sich die Qualität durch weitere Kläranlagen und Stilllegung der einleitenden Industrie soweit verbessert, dass sie nunmehr (nur noch!) als kritisch belastet gilt. Von Lengenfeld bis Mylau verbessert sich die Wassergüte durch Selbstreinigung ständig und erreicht schließlich die GK II. Das unterstreicht die Notwendigkeit, naturnahe Flussverläufe wie das mittlere Göltzschtal in ihrer Gestalt zu erhalten.


Göltzschtal in Mylau 1954
Die Göltzsch überflutet in Mylau die Straßenbrücke, 1954
Die größten bisher gemessene Hochwassermengen traten 1954 und 1955 auf, jeweils zur Jahresmitte. Sie überschritten den "normalen" Hochwasserstand und damit das Fassungsvermögen des Flussbettes z.T. um das Fünffache und richteten ungeheure Schäden im Göltzschtal und darüber hinaus an. Danach war der Bau einer Talsperre vor Mylau in der Diskussion, durch die ein Großteil des mittl. Göltzschtales, darunter auch das Alaunwerk Mühlwand, überflutet würde.

Auch heute noch kommt dem mittleren Göltzschtal bezüglich Hochwasserschutz eine nicht geringe Bedeutung zu. Jedoch orientiert der sächsische Landesentwicklungsplan auf den Erhalt natürlicher Strukturen der Einzugsgebiete, Gewässerverläufe und Überflutungsflächen, wie es das mittlere Göltzschtal derzeit darstellt.
 
Trotzdem sieht man immer wieder, dass ufernahe Freiflächen besonders an Nebengewässern der Göltzsch (Bächen) kurzsichtig verbaut werden. Selbst schützt man sich dann - wenn man überhaupt daran denkt - durch Wälle und Mauern gegen Hochwasser - getreu dem Motto: Nach uns die Sintflut!
Aber auch der zweifelhafte Fortschritt der gegenwärtigen, extensiv betriebenen urbanen Entwicklung des gesamten Einzugsgebietes, wobei entgegen der Einwohnerzahl der Flächenverbrauch zunimmt, lässt neue Hochwasserkatastrophen wahrscheinlicher werden. Es ist bedauerlich, wie relativ schnell Lehren wie die von 1954/55 in Vergessenheit geraten - umso größer wird dann das Engagement beim Beklagen der Schäden und Einfordern von Unterstützungen sein.


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