Krafthaus Schotenmühle |
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Auffällig auf freier Flur steht nahe Forsthaus Mylau ein einsames Gebäude, welches dem Wanderer seine ehemalige Bestimmung in großen Lettern am Giebel der Eingangsseite kundtut - Wasserkraftwerk Schotenmühle. An anderer Stelle steht etwas inkorrekt ‘erbaut 1927’, reicht doch die Geschichte des kleinen Kraftwerkes über dreißig Jahre weiter zurück, die der Wasserkraftnutzung an diesem Ort sogar um einige Jahrhunderte und stand zeitweise mit dem Alaunwerk in Mühlwand in Beziehung. |

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Sie diente u.a. als Getreidemühle, Sägewerk, Walkmühle und frühzeitig auch als Farbmühle, welche den schwarzen Mühlwander Alaunschiefer aufbereitete. 1897 vernichtete sie ein Feuer bis auf die Grundmauern. Bereits zwei Jahre vorher errichtete die Stadt Mylau neben der Mühle ein Turbinenhaus zur Versorgung einer elektrischen Straßenbeleuchtung der Stadt - ein damals weitsichtiger Entschluss, war doch Gasbeleuchtung das übliche Mittel der Wahl. Die Kraftwerksanlage stellte ein Ausleitungswerk dar, ihr Wasser bekam die Turbine über einen 1,6 km langen, unterhalb Weißensand beginnenden Werkkanal (Mühlgraben) und im letzten Teil durch ein eisernes Leitungsrohr zugeführt. Nach dem ersten Weltkrieg war die Anlage verschlissen und das Zuführungsrohr verrostet, der Stadtrat entschloss sich zur - nunmehr umstrittenen - Grunderneuerung in den Jahren 1926 bis 1928. Das schuf zeitweise einige ABM-Stellen, bewirkte allerdings auch den Wegfall der früheren Bediener-Arbeitsplätze, das Krafthaus arbeitete jetzt vollautomatisch und ferngesteuert. |
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Dabei wurde auch eine interessante hydraulische Regeleinrichtung eingebaut - Turbinenhaus und Stauwehr bei Weißensand waren neben dem Kanal zusätzlich durch eine Rohrleitung miteinander verbunden, in welcher das Wasser nur ruhte. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren wurde der Wasserstandsunterschied zwischen Ein- und Auslauf zum automatischen Einstellen des Durchflusses ausgenutzt. Sank der Pegel am Turbineneinlauf ab, erhöhte automatisch das 1,6 km entfernte Wehr seinen Durchlass. Ergebnis war eine dem jeweiligen Leistungsbedarf angepasste Wasserspeisung des Kraftwerks.
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Ebenfalls bemerkenswert war eine mit vielen Eisenreifen zusammengehaltene Holzdaubenleitung von 280 m Länge und 1,25 m lichter Weite zur Wasserzuführung bis kurz vor das Krafthaus als Ersatz für das verrostete Eisenrohr. Sie bot in der Landschaft ein recht seltsames Bild, vorstellbar als eine im Gelände liegende dicke Schlange, ähnlich einem endlos langen Holzfass, von Einheimischen augenzwinkernd „Mylauer Mastdarm“ genannt. Da die Bretterröhre nie völlig dicht war, spritzten hier und da Wasserfontänen in alle Richtungen aus ihr hervor, was im Winter zu bizarren Eisgebilden führte. Die zunehmende Löchrigkeit der Röhre war schließlich 1976 Anlass zur Stilllegung des Kraftwerkes - leider auch zum vollständigen Verlust der bemerkenswerten Wasserleitung. Heute fällt nur noch ihre merkwürdig niedrige Rohrbrücke über die Göltzsch auf. |