Die noch vorhandenen Inventarlisten des
Alaunwerkes weisen neben allerlei Gezähe stets auch einige Pfund
Schießpulver aus. In Mühlwand wurde also auch
"geschossen", das heißt, der zum Abbau vorgesehene
Fels durch Pulversprengungen gelockert.
Das aus dem
Kriegs(un)wesen bekannte und in Europa erstmals 1267 von Roger Bacon
beschriebene Schieß- bzw. Schwarzpulver kam schon 1481 als
Sprengstoff beim Straßenbau in den Bergregionen Tirols zum
Einsatz. Auch den 'Riss 'beim vogtländischen Ort Hammerbrücke
- ein über 1 km langer, künstlicher Wassergraben mit
reizvollen Fallstufen - sprengten 1579 hiesige Flößer
mittels Pulver in den Fels. Trotzdem blieb seine zunächst noch
unberechenbare Kraft ein Risiko, besonders unter Tage. Erst ab
1627/28 verbreitete sich Schwarzpulver auch als Helfer im Bergbau,
wiederum zuerst durch Tiroler und Steierische
Bergleute.
Schwarzpulver besteht aus sechs Teilen Salpeter,
einem Teil Schwefel und einem Teil Lindenholzkohle. Fein gemahlen und
gemischt verbrennt es allerdings nur mit heftiger Stichflamme. Dieses
sogenannte Mehlpulver ist als Sprengstoff ungeeignet. Erst durch
besondere, von den Pulvermüllern streng geheim gehaltene
Verarbeitungsmethoden gelangte man zu Pulvern unterschiedlicher
Explosionskraft; und nur das für damalige Zeit brisante, aber
auch sehr teure, Knollenpulver eignete sich für Felssprengungen.
Genauso wichtig wie gutes Pulver war die Wahl der richtigen
Sprengstelle. Der Bergmeister suchte dazu nach bereits vorhandenen
Rissen und Spalten, außerdem musste ein Ausdehnungsraum für
das beim Sprengen loszudrückende Gestein vorhanden sein. Hier
trieb der Bergmann mit Schlägel und Handbohrer in mehrstündiger
Arbeit ein etwa ein Meter langes Loch mit 3 bis 5 cm Durchmesser in
den Fels. Dahinein gab er die nach Erfahrung und örtlicher Lage
abgeschätzte Menge Pulver, entweder pur, oder in einer aus
Papier geformten Patrone. Als Zündvorrichtung diente ein mit
Mehlpulver gefüllter Strohhalm. Mit einem langen Kupferstab riss
der Bergmann die Patrone am Ende auf und steckte den Halm in das dann
freiliegende Pulver. Nun konnte er das Loch verschließen. Auch
diese scheinbar einfache Arbeit erforderte Erfahrung und Sorgfalt,
denn die Ladung durfte nicht einfach 'ausblasen' wie aus einem
Gewehrlauf. Zunächst gab er etwas Werg ins Loch, drückte es
VORSICHTIG mit Lindenholz an und füllte feuchten Ton
und Sand darauf. Am Ende stopfte er gröberen Splitt nach, der
sich unter dem Druck der Explosionsgase im Loch verkeilen sollte.
Dabei musste der Bergmann sehr behutsam
zu Werke gehen, um den Zünd-Strohhalm nicht abzudrücken.
'Verreckte' Ladungen waren gefährlich: die Örter durften
dann keinesfalls mit dem Gezähe behauen werden. Zuerst mussten
die Sprenglöcher mit kupfernen Stangen und Löffeln wieder
geleert werden, wobei die Wahl des Metalls verhindern sollte, dass
die Ladung allein durch Reibung losging und dem Bergmann um die Ohren
flog.
Ging jedoch alles glatt, zündete der Bergmeister
die Strohhalmlunte und nach einiger Zeit explodierte die Packung.
Allerdings darf man sich dies nicht als gewaltige Detonation
vorstellen, sondern eher wie einen dumpfen, kraftvollen Ruck im Berg.
Keinesfalls konnten die Bergleute nun sofort reichlich Erz wegkarren.
Eine zu große Pulverladung hätte mit ihrer Druckwelle
eventuell ganze Stollenabschnitte einstürzen lassen. Es kam beim
Schießen nur darauf an, Risse zu vergrößern und den
Fels insgesamt aufzulockern, damit die trotzdem notwendige
Abbrucharbeit leichter fiel. Örtlich begrenzte und dennoch
zertrümmernd wirkende Explosionen wie mit modernen
Bergbausprengstoffen waren mit Schießpulver noch nicht
möglich.
Man sieht, eine Pulversprengung musste sehr
sorgfältig bedacht und vorbereitet werden. Und das nicht nur aus
Sicherheitsgründen: zum "Verpulvern" war der
Sprengstoff viel zu kostbar, und selbst das Papier der Patronen
stellte seinerzeit einen gewissen Wert dar. Mit Bedacht angewandt
aber erleichterte Schießpulver - anderorts mit Elend und Tod
verbunden - dem Bergmann seine schwere Arbeit. Bei allen technischen
Erfindungen und Entdeckungen liegt es letztendlich am Menschen
selbst, ob sie sich für ihn als Fluch oder Segen erweisen.